Maße: 30 x 70 x 55 cm
Signatur: signiert unten auf dem Sockel: R. Piot / 1999
Provenienz
Im Besitz des Künstlers.
Literatur
Safjan P., Ryszard Piotrowski, Hrsg. Fundacja Wasowskich, Warschau 2022, S. 10 (Detail).
Ryszard Piotrowski schafft Skulpturen aus Marmor, Holz, Metall und Keramik und kehrt dabei konsequent zur menschlichen Figur als Hauptthema seines Schaffens zurück. Ihn faszinieren die klassischen Schönheitsideale und der menschliche Körper, inspiriert von der antiken Bildhauerei, in der die Entwicklung des Geistes mit der Pflege der körperlichen Form einherging. Im Mittelpunkt seines Interesses stehen die Intensität der Emotionen, die Nähe und die Sinnlichkeit – das, was am Menschen am schwersten fassbar und zugleich am universellsten ist. Der Künstler selbst sagt: „Meine Wegweiser und Inspirationsquellen sind Zartheit und Sinnlichkeit. Ich folge nicht blind dem allgemein modischen Minimalismus, der kalten Abstraktion und der emotionalen Gleichgültigkeit“ (R. Piotrowski, offizielle Website des Künstlers). Diese Worte spiegeln den Charakter seiner Werke perfekt wider, in denen die Form niemals Selbstzweck ist, sondern ein Mittel, um etwas zutiefst Menschliches auszudrücken.
In seinen Marmorwerken fängt der Künstler oft die Nähe von Liebenden ein. Nicht ohne Grund wählt er dafür Carrara-Marmor, der – wie er selbst sagt – „die Kanten abmildert und den Skulpturen eine ausdrucksstarke Farbe verleiht“. In der hier gezeigten Skulptur „Zärtlichkeit“ verschmelzen die Körper eines Mannes und einer Frau in einer Umarmung zu einer untrennbaren Einheit. In ihrer Liebe werden sie eins. Indem er uns nicht die gesamte Kontur der beiden Körper zeigt, lenkt der Künstler unsere Aufmerksamkeit auf einzelne Gesten: den Arm der Frau, der sich um den Hals des Mannes schlingt, den Bogen seines zu ihr geneigten Rückens, die Hand, die auf ihrer Schulter ruht und sie fast zu sich zieht. Durch diese menschlichen Gesten versetzt uns die Skulptur an einen ganz anderen Ort: einen Ort voller Wärme, an dem die Zeit stillsteht, eingefroren durch die Intensität der Nähe zweier Menschen. Es ist äußerst selten, dass in kaltem Marmor nicht nur eine Form, sondern auch ein Gefühl eingemeißelt wird. Ein Gefühl, das in jedem von uns nachhallt.





